Wolfgang Burger - Die Romane
Abgetaucht
Der Roman trug zun�chst den Arbeitstitel "Lillis Liebe zu den Bildern". Hauptperson ist ein elfj�hriges M�dchen, aber nat�rlich sind auch Petzold, Schilling sowie ihre Kollegin Birgit Malmberg wieder mit von der Partie. Erschienen ist das Buch im September 2003 in beachtlicher Auflage im renomierten Emons Verlag in K�ln.
Die Chronik der Entstehung:

5. Oktober 2001: Die erste Idee in Paris - niemand wei�, warum gerade dort. In meinem Hinterkopf geistert noch das Bild eines sehr ernsten M�dchens in der Metro mit gro�en, traurigen Augen, das offensichtlich keine lustige Kindheit durchlebt.

Bis Ende Oktober: erste Skizzen, Expros�

Anfang November: Die allererste Seite wird geschrieben, bis jetzt l�uft es sehr gut.

Anfang Dezember: Schon �ber 100 Seiten! Es ist einfach unglaublich.

17.Dezember: 145 Seiten sind es inzwischen geworden. Da rei�t der Faden pl�tzlich. Andere nennen es vielleicht Schreibblockade. Ich nenne es eher gassierende Arbeitsunlust.

Zwei Monate vergehen, ohne dass eine einzige Zeile geschrieben wird. Aber ganz im Hinterkopf g�hrt die Geschichte weiter. Ideen kommen und werden wieder verworfen, die Arbeitsunlust bleibt.

Mitte Februar 2002: Morgens beim Aufwachen pl�tzlich die z�ndende Idee, wie die Geschichte endet - n�mlich ganz anders als geplant. Und auf einmal l�uft es wieder ...

4.M�rz: Der Schluss ist geschrieben. Inzwischen sind es 235 Seiten, in der Rekordzeit von nur 5 Monaten von der Idee bis zur Version 1.0 Jetzt wird noch mal dr�bergegangen, um die �nderungen einzuarbeiten, die sich durch den neuen Schluss ergeben haben.

Mitte April: Der allererste Ausdruck - Ein Roman erblickt das Licht der Welt. Aber wie jedes Baby wird er noch eine Menge Zuwendung und Pflege brauchen, bis er auf eigenen F��en stehen und in die Welt entlassen werden kann.

September: Inzwischen ist es schon wieder Herbst geworden, bald j�hrt sich der Tag der Idee - und noch immer ist kein Ende in Sicht. Zwar wurde schon eine Menge verbessert, aber eine kleine �nderung hier erzeugt pl�tzlich ein gro�es Problem da oder doch wenigstens eine Unstimmigkeit. Deshalb also alles wieder mal von vorn. Die (vorl�ufig) letzte �berarbeitung l�uft, bis Anfang Oktober sollte sie hoffentlich endlich abgeschlossen sein.

12. Oktober: P�nktlich zur Buchmesse (und etwa drei Monate sp�ter als geplant) ist das Manuskript nun ENDLICH so weit, dass es verschickt werden kann. Jetzt wird sich zeigen, wie viele Verlage es haben wollen.

Februar 2003: Der Emons Verlag zeigt Interesse an dem Manuskript. Man einigt sich rasch, der Vertrag wird unterschrieben. Ein paar �nderungsw�nsche am Plot hat man noch, die aber keine allzu gro�en Probleme mit sich bringen werden.

Bis Ende M�rz sollte die erste �berarbeitung abgeschlossen sein. Dann kommt das Manuskript ins Lektorat, und alles geht wieder von vorne los.


Die Geschichte: Lilli, ein elfj�hriges M�dchen, wohnt erst seit einem halben Jahr in der Stadt. Sie kennt noch fast niemanden, was ihr aber nichts ausmacht, weil ihre Mutter ohnehin alle paar Monate mit ihr umzieht. Ihren Vater kennt Lilli nicht, aus Erz�hlungen ihrer Mutter wei� sie, dass er in Australien lebt und irgendwann zur�ck kommen wird.
Es ist Anfang Dezember, Weihnachten ist nicht mehr weit, als Lilli Zeugin eines aufregenden Ereignisses wird: Sie steht vor einem Schaufenster, als drei M�nner vorbeirennen, von denen offensichtlich zwei den dritten verfolgen. Die M�nner machen kehrt, kommen wieder zur�ck und beginnen direkt vor Lilli ein Handgemenge, in dessen Verlauf einer der Verfolger st�rzt und das Bewusstsein verliert. Der zweite flieht mit dem Aktenkoffer des Opfers dieses Raub�berfalls.
Und am Ende ist Lilli unerwartet im Besitz eines schmalen Ordners mit einem sehr, sehr sch�nen Bild auf der Vorderseite. Sie nimmt den Ordner mit nach Hause, weil sie sch�ne Bilder �ber alles liebt und ahnt nat�rlich nicht, dass ihr und ihrer Umwelt deshalb zwei �u�erst unangenehme Wochen bevorstehen ...
Pressestimmen
... Im Polizeialltag tauchen zunehmend Fragen �ber Fragen auf und entwickeln sich zu einem spannenden Crescendo, das den Leser mitnimmt ins vorweihnachtliche Gew�hl des Karlsruher Weihnachtsmarktes mit Zuckerwatte und Gl�hweinduft ... Eines sei zum Schluss betont: Der Krimi ist nicht nur in vorweihnachtlicher Zeit zur Lekt�re geeignet, da das gelungene Gemisch aus Handlungswiedergabe und Charakterstudien Zeit und Raum vergessen l�sst.
Rika Wettstein bei www.bad-bad.de

... richtig begeisternd beginnt Wolfgang Burgers f�nfter Krimi ABGETAUCHT, k�rzlich als PB bei Emons erschienen ... Kurze Szenen, verschiedene Perspektiven, die unergiebigen Zeugenbefragungen der Polizei danach, all das kriegt Burger sehr gut hin.
Roberts Krimitagebuch

... Burgers Romane haben ein paar Besonderheiten zu bieten. Hier ist es die Perspektive eines einsamen, schwerh�rigen M�dchens, das sich im Schlepptau einer permanent die Wohnorte wechselnden Mutter allein zurechtfinden muss. Die Erwachsenen benennt es nach den Schauspielern der Filme, in die es abtaucht: Sandra Bullock, Walter Matthau, Nick Nolte. Der Naturwissenschaftler Burger f�hrt das mit Sympathie, nicht als Gag vor: Er interessiert sich daf�r, wie Menschen ihr Leben einrichten.
Stuttgarter zeitung, 7.11.03

�Abgetaucht� � ein atmosph�rischer Kriminalroman, dicht und souver�n erz�hlt, der bis zum Schluss die Spannung h�lt und durch seine eindr�ckliche psychologische Figurenzeichnung fesselt.
Boulevard Baden, 28.9.2003

... Wolfgang Burger neuester Kriminalroman bietet neben einer z�rtlichen Love-Story Spannung bis zur letzten Seite ... Ein ausgesprochen lebendiger Roman.
Badische Neueste Nachrichten 11.9.2003

Lesermeinungen
... eine ungew�hnliche und sehr faszinierende Story, mit bewundernswerter Einf�hlsamkeit in �berzeugende Prosa gebracht. Und es hat mir au�ergew�hnlich gut gefallen, wie Du die Mutter dargestellt hast, wie Du Deine Leser da in Konflikte gest�rzt hast, wie man sie bemitleidet und dann wieder hasst und nie ganz versteht und wie Du Dich da selbst jeder Wertung enthalten hast, bis dann zum Schluss die Lebensgeschichte kam. ... Eines jener B�cher, die man nicht leicht vergisst
Maeve Carels

Wolfgang Burgers St�rke liegt in seinen Figurenzeichnungen. Behutsam legt er das Innenleben der handelnden Charaktere nach und nach frei, ohne zu viel zu verraten ... So gelungen die Figuren auch sind, der Aufbau des Krimis entspricht leider nur dem Durchschnitt. Zwar liest sich der Plot spannend - eben aufgrund der gekonnt gezeichneten Figuren - aber �berraschende Wendungen sind eher selten. Die Handlungsf�den wirken manchmal wirr ...
Bleibt festzustellen, dass �Abgetaucht" ein durchschnittlicher deutscher Krimi ist - nicht schlecht, aber auch nicht herausragend.
Der B�cherfreund

Fazit: Der Roman ist sehr fl�ssig zu lesen. Bemerkenswert ist der sehr sorgf�ltige und einf�hlsame Aufbau der beteiligten Personen sowie ein gelungener und logischer Handlungsablauf....
Reinhard Busse bei amazon.de

Ein souver�n-kurzweilig geschriebener, konstruierter Petzold - hat mir gut gefallen. Psychologisch wie stilistisch besonders beeindruckend die Schilderung der Architekten- Familie bzw. ihrer Verhaltensformen sowie der Befragung der Tochter bei der Oma in S�ckingen, wunderbar...
Hajo L., K�ln

Meine erste Begegnung mit dem Autor Wolfgang Burger war sehr beeindruckend. Das Buch ist sehr fl�ssig geschrieben und leicht zu lesen. Die Geschichte wunderbar verwinkelt und spannend bis zur letzten Seite.
Caren L�wner (www.deutsche-krimiautoren.de)

In gewohnter Kurzweil l�sst sich der neue Petzold Krimi von Wolfgang Burger lesen. Der Kommissar teilt seine Wohnung und sein Leben nun mit Kollegin Birgit und muss sich wohl in Zukunft mit diversen Erziehungsma�nahmen abfinden. Dies ist auch der einzige Punkt, der mit dieses Mal etwas gest�rt hat: Birgit wird manchmal recht klischeehaft beschrieben und ging mir dementsprechend auf die Nerven. Sie versucht, das Regiment zu �bernehmen, die Wohnung umzugestalten und Petzold umzufunktionieren. Auch bei dem Kriminalfall brauchte ich eine Weile, bis ich mich eingefunden hatte. Doch irgendwann hatte auch er mich gepackt und die tierliebe Lilli wurde mir immer liebenswerter. Sehr positiv auch wieder, dass das Geschehen sehr real geschildert wird.
Susanne K. (www.literaturschock.de)


Leseprobe (ca. Seite 4 bis 6)


Bei dem Laden gegen�ber der Mondstra�e blieb Lilli wieder stehen und besah sich die Dinge im Schaufenster. Hier gab es immer die unglaublichsten Sachen zu kaufen. Silbernen Schmuck, bunte Papageien aus Holz und geschnitzte Giraffen zum Beispiel, manche gr��er als sie selbst. Annemi hatte ihr einmal erkl�rt, die k�men tats�chlich aus Afrika, wo arme Menschen sie schnitzten um ihr Essen damit zu verdienen. Lilli stellte sich vor, dass das eine sch�ne Art war, sein Geld zu verdienen und �berlegte, ob es hier in Deutschland auch solche Berufe gab, wo man sch�ne Dinge herstellte, die einem selbst und anderen Freude machten. Annemis Arbeit schien nie Spa� zu machen, so wie die immer drauf war, wenn sie abends nach Hause kam. Und obwohl sie st�ndig arbeitete, morgens vor sieben wegging und selten vor acht heimkam, reichte das Geld nie.

Wie erwartet, gab es im Schaufenster wieder etwas Neues: Einen blauen Frosch mit gelbem Maul und unglaublich gro�en F��en. Er war so gro� wie ein kleiner Hund und sah einen so treuherzig an, dass man fast weinen musste, wenn man ihn zu lange ansah. Lilli versuchte das Preisschild zu lesen um abzusch�tzen, ob er ein geeignetes Objekt f�r den Weihnachts-Wunschzettel war. Aber das Anh�ngerchen lag verkehrt herum. Sie spielte mit dem gefundenen Ring, den sie an die linke Hand gesteckt hatte, uns sah sich nach weiteren interessanten Dingen um. Immer noch war es nicht einmal zw�lf.

Eine Stra�enbahn fuhr die Schillerstra�e hinunter. Sie war innen beleuchtet, obwohl Tag war und fast leer. Ein Mann etwa in Annemis Alter in blauem Anzug rannte hinter ihr her. Er hatte sie wohl an der letzten Haltestelle verpasst und versuchte nun, sie einzuholen. Er hielt auch m�helos Schritt, jemand rief etwas, als w�rde er ihn anfeuern, und er wurde tats�chlich noch ein bisschen schneller. Pl�tzlich h�rte Lilli noch mehr Schritte, und dann erkannte sie, dass zwei andere M�nner dem einen folgten, und dass die es waren, die nach ihm riefen. Die beiden Verfolger trugen Jeans und schwarze Jacken, und Lilli konnte nicht verstehen, was sie riefen. Es schien eine fremde Sprache zu sein. Fredy sprach manchmal so �hnlich, wenn er sich mit seinen Freunden unterhielt, die sich st�ndig in seiner D�ner-Bude herumdr�ckten, ohne jemals etwas zu kaufen.

Der im Anzug schlug einen Haken, als h�tte er kein Interesse mehr an der Stra�enbahn, bog in die Goethestra�e ein, kam auf Lilli zu und rannte an ihr vorbei. Sein Atem ging keuchend, und er schien sie nicht einmal zu sehen. Seine Augen hatten etwas, was sie so noch nie bei einem Erwachsenen gesehen hatte: Sie waren ganz weit und starr, als h�tte er vor irgendetwas fruchtbare Angst. Jetzt erkannte Lilli, dass die anderen den Mann wirklich verfolgten, einer lief auf der anderen Stra�enseite und hatte ihn schon fast �berholt, der zweite raste eben an ihr vorbei. Er hielt etwas in der Hand, was sie nicht erkennen konnte. Lilli dr�ckte sich ganz flach an die Wand und hielt den Atem an. Nun hatten sie ihn eingeholt, versuchten ihn zu packen, er riss sich los, machte kehrt, und kam wieder zur�ck. Einer der anderen st�rzte, fluchte laut und sprang sofort wieder auf die F��e wie ein Tier bei Gefahr.

Der im Anzug hatte einen Aktenkoffer dabei, was ihn vielleicht behinderte, sie hatten ihn auch schon wieder, der j�ngere warf ihn zu Boden, knallte dabei selbst der L�nge nach hin, der Aktenkoffer flog davon, �berschlug sich, platzte auf und schlitterte auf die Stra�e. Der im Anzug brauchte einige Sekunden, bis er wieder auf den Beinen war, der andere blieb liegen und gab r�chelnde T�ne von sich. Jetzt erst bemerkte Lilli, dass der R�ckspiegel des Autos, neben dem die beiden hingefallen waren, abgebrochen war und zersplittert am Boden lag. Der andere Verfolger, der �ltere, beachtete die am Boden liegenden gar nicht, sondern hatte sich sofort auf den Koffer gest�rzt. Ein blaues Auto musste bremsen, hupte, er sah nicht einmal auf, rafft alles zusammen, stopften es in den Koffer zur�ck und rannte davon. Schon war er verschwunden, als w�ren er nie dagewesen. Der im Anzug sah ihm keuchend und mit offenem Mund nach, hatte aber offenbar nicht mehr die Kraft, ihm zu folgen. Er hielt sich das Knie, vielleicht hatte er sich weh getan. Der am Boden hatte die Augen geschlossen und gab keinen Laut mehr. Ein wenig Blut kam aus seiner Nase.

Kopfsch�ttelnd fuhr der Autofahrer wieder an, Lilli h�rte, wie er vor sich hinschimpfte, und dann war es auf einmal ganz still. Nur der Atem des Mannes, dem der Koffer geh�rt hatte, war zu h�ren. Wie ein gehetztes Tier sah er um sich, �ffnete den Mund, schloss ihn wieder, und Lillly hatte das Gef�hl, dass er sie noch nicht einmal bemerkt hatte, obwohl sie nur drei Schritte von ihm entfernt stand.

Die Finger des Mannes am Boden machten noch ein paar kleine, zaghafte Bewegungen, als w�rde er jemandem winken, ohne dass es andere sehen sollten. Lilli starrte ihn an, wagte nicht, sich zu regen und atmete ganz flach. Die Bewegungen seiner Hand h�rten langsam auf, als w�re er jetzt eingeschlafen. Hinter ihr quietschte eine T�r.

Aus dem Laden mit den Giraffen und dem Frosch trat eine Frau in einer bunten Bluse und kurzem Rock, und das erste was sie sagte, war:
"Na, so eine Schei�e! Noch nicht mal Mittag und schon der erste Besoffene!" Dann sah sie das Blut.