|
Der Mord des Hippokrates |
|
Der Mord des Hippokrates, Leda Verlag Leer, 2003, ISBN 978-3-939689-36-2,
8,90 Euro
Ein Roman zur Abwechslung mal ganz ohne Petzold, Birgit Malmberg und Schilling. Er spielt auch nicht in Karlsruhe,
sondern in Heidelberg. Aber natürlich ist es wieder ein Krimi ...
Die Chronik der Entstehung:
Irgendwann im März 1996: Die Idee
April 1996: Der Roman wird in einem Anfall von geistigem Brechdurchfall in einem Rutsch runtergeschrieben. Arbeitstitel ist "Wenn sich zwei Igel küssen"
Und dann: Jahrelange Stille. Viele Jahre habe ich mich nicht einmal getraut, das Werk jemandem
auch nur zu zeigen.
Anfang 2002: Der Verleger Peter Gerdes
(Leda Verlag),
fragt an, ob ich nicht auch mal einen Roman für
ihn hätte, nachdem ich schon zwei Kurzgeschichten bei ihm untergebracht habe - das
lässt
man sich als Autor nat�rlich nicht zweimal fragen. Vielleicht der Wink des Schicksals mit
der Zaunlatte? - Die Igel gehen umgehend in die Post.
Mitte Februar 2002: Am Sonntag Vormittag klingelt das Telefon - Peter Gerdes will das
Ding haben und findet es sogar nicht mal schlecht! Wir vereinbaren, dass der Roman in
Heidelberg spielen wird, um ihn von der Petzold-Reihe abzuheben. Den Titel findet er
restlos bescheuert. Man einigt sich schnell auf "Achterbahn".
Monate später: Inzwischen haben noch ein paar mehr Menschen den Roman gelesen. Die Urteile reichen
von "total daneben" bis "echt nicht übel, steckt aber noch viel Arbeit drin". Der Titel
"Achterbahn" ist schon vergeben. Wir suchen einen neuen.
Mitte Oktober 2002: Inzwischen lautet der Titel "Der Mord des Hippokrates". Nachdem die
Arbeiten an der Lilly nun endlich abgeschlossen sind und das Manuskript in der Post ist,
beginnt die Überarbeitung von Hippokrates.
Ende Dezember 2002: Das Manuskript ist inzwischen grümdlich durchgearbeitet. Ein
Tagesausflug ins nahe Heidelberg hat geholfen, Handlungsorte zu finden, Atmosphäre zu
schnuppern, Fotos zu schießen. Nun kommt noch ein allerletzter "Schnelldurchgang", bei
dem es mehr um sprachliche und stilistische Details und nicht mehr um die Handlung geht.
Anfang Januar 2003: Das Manuskript geht an den Verlag, die Mühlen der Buchproduktion
beginnen zu mahlen.
Mitte Juni 2003: Der Mord des Hippokrates erscheint.
|
|
Die Geschichte:
Doktor Bernhard Quentin, erfolgreicher Arzt mit gut gehender Praxis und festen
Prinzipien, hat eine Frau ermordet.
Von seinem Opfer weiß er kaum mehr, als dass sie Griechin ist und seine Patientin war, als
er sie vor etwas mehr als 32 Stunden kennen lernte. Wenig später hat er mit ihr
geschlafen und zum ersten Mal in seinem Leben seine Frau betrogen.
Er vermutet, dass ihm jemand eine Falle gestellt hat, dass er erpresst werden soll, und
beginnt auf eigene Faust, die Hintergründe seines Mordes aufzudecken. Was er herausfindet,
ist um vieles schlimmer als alles, was er sich vorstellen konnte ...
Was der Verlag dazu sagt:
Schlimmer als Dr. Quentin kann ein Arzt den Eid des Hippokrates kaum verletzen: Eine
Patientin umzubringen, verstößt eindeutig gegen die Standesregeln. Und doch packt einen das
Mitleid, wenn Quentin erklärt, wie es dazu kommen konnte, und den Leser mitnimmt auf die
rasante Achterbahnfahrt von Gefühlen und Ereignissen, die sein ganzes Leben binnen weniger
Stunden auf den Kopf stellen. Ja, er schimpft sich zu Recht einen Trottel, und doch ...
Hätte das, was ihm da zugestoßen ist, nicht jedem anderen, einem selbst vielleicht, auch
passieren können? Wolfgang Burger macht es glaubhaft. Er tut das mit viel Humor � mit dem
robusten Galgenhumor des Dr. Quentin und mit dem leisen Humor des Autors, der so einfühlsam
wie eindringlich das Psychogramm eines Mörders zeichnet, den man nicht wieder vergisst.
|
|
|
Pressestimmen
|
|
... die Lektüre hebt sich angenehm ab von den üblichen Krimi-Versuchen, die deutsche
Feierabend-Mankells ihren PCs anvertrauen ... Ein Mord, ein Totschlag, was auch immer. Was
nun folgt, ist der zweite Alptraum. Und Wolfgang Burger hat ihn gut erzählt. Bis zum
erschreckenden Ende.
Martina I. Kischke in "Lesart, Unabhängiges Journal für Literatur", Heft 4/2003
... Im Kopf des Ich-Erzählers jagen sich die Gedanken und die Erinnerungen. Nach und
nach erfährt der Leser, wie es zur unbegreiflichen Tat gekommen ist, wie ein angesehener,
reicher Arzt binnen weniger Stunden nicht nur das Leben eines anderen Menschen, sondern
auch seine eigene, nach außen hin beneidenswerte Existenz vernichtet hat (...) Die Polizei
hat nicht viel zu bestellen in diesem Psychodrama eines Mannes auf Abwegen. Wenn man erst
in den Sog dieses Krimis geraten ist, dann lässt er einen nicht mehr los. Der Erzähler Burger
präsentiert sich in Bestform, der Offenbarungseid eines Halbgottes in Weiß ist durchtränkt
von grimmigen Humor und geprägt von schonungsloser Menschenkenntnis. So ist die Spannung,
die er erzeugt, kein Oberflächeneffekt, sondern die Folge der inneren Spannungen des Anti-
Helden, der wie im Rausch und dennoch wachen Sinnes seine Selbstdemontage erlebt.
Peter Kohl -
Kulturmagazin Klappe-Auf
... Burger erzeugt Spannung nicht aus einem ungelösten Kriminalfall, sondern aus den
Geheimnissen im Innenleben seiner Figuren...
Unikath 4/2003
So schnell kann es gehen - so schnell geht es für Dr. Quentin, die unauffällige Arzt-
Existenz mit gut gehender Praxis, gut ausgestatteter Vorstadt-Villa und gut verheiratet mit
einem standesgemäß gut aussehenden Luxusweibchen. Vom bürgerlichen Biedermann zur kriminellen
Existenz, nur weil er der betörend schönen Griechin verfällt, die ihm sein Apothekerfreund
in die Ordination schickt. Von einer Sekunde auf die andere, worauf dann auch eins zum
anderen kommt: ein heimliches Date, schneller und schmutziger und deshalb ausgezeichneter
Sex und dann: der Absturz. Katharina, die Griechin, scheint ein Phantom gewesen zu sein,
unauffindbar auf einmal, nachdem sie Dr. Quentin biederes Bürgerleben aufgemischt hat.
Für den beginnt sich damit die Abwärtsspirale zu drehen. Die Suche nach seinem One-Night-
Stand reißt den Doktor in den Abgrund: Er wird zum Mörder. Und damit ist sein Absturz noch
längst nicht zu Ende.
Eine Geschichte wie von Simenon: straff und mit dem Blick auf das Wesentliche erzählt,
präzise in der Dramaturgie, unangestrengt in der Sprache. Ein Puzzlespiel der Charaktere:
Dr. Quentin, Gattin Anja, Apotheker Winnie. Freundschaften, die keine waren, eine Ehe, die
keine ist: alles Fassade. Von so einem leeren Leben Schicht um Schicht die Lebenslügen und
unerfüllten Hoffnungen abzukratzen, bis am Ende alle nackt dastehen - das gelingt Wolfgang
Burger.
Reinhard Jahn -
www.krimi-forum.de
... Mit "Der Mord des Hippokrates" bricht Burger zu neuen Ufern auf. Auf 159 unglaublich
spannenden Seiten erzählt er den Werdegang eines Mörders. Ein Werdegang, der umso schlimmer
anmutet, ist er doch so nachvollziehbar und der Täter einer von uns. Was geht in einem
Menschen vor, der einem anderen - vielleicht im Affekt - das Leben genommen hat? Wie geht
man damit um, wenn der Mord schon fast nur ein Versehen war? Psychologischer Tiefsinn ist
hier gepaart mit manchmal recht makabren Sprüchen und der tiefen Erkenntnis: So leben wir.
Dies ist wahr. Das ist die Welt. "Der Mord des Hippokrates" ist also nicht nur spannend,
sondern auch Gedanken anregend zu lesen - versehen mit vielen frechen Sprüchen wie ich dies
von den bisherigen Büchern des Autors schon gewohnt war.
www.literaturschock.de
... Burger gelingt hier ein erstaunliches Psychogramm. Gespeist wird es aus der Handlung, in
der sich Wahn und Intrige, Wunschdenken und gedankenlose Brutalität gefährlich
überlagern.
Ab einem bestimmten Punkt legt man das Buch nicht mehr weg, obwohl sich relativ frühzeitig
abzeichnet, wer der Drahtzieher hinter den mörderischen Ereignissen sein könnte. Und doch
ist die atmosphärisch dichte Erzählung am Ende mehr als ein Kriminalroman: Sie ist eine
Geschichte über das Glück und über die Unfähigkeit, es in dem Moment, in dem es sich
offenbart, zu erkennen, weil man zu sehr befangen ist in der Blindheit des Ich.
(Badische Neueste Nachrichten, 31.7.2003)
...Interessant nicht nur seine detailverliebten Beschreibungen der Hauptfiguren und sein
fortwährend durchblitzender Humor. Auch dass Burger ein brillanter Beobachter seiner Umwelt
ist, wird immer wieder deutlich...
(Pforzheimer Zeitung, 31.7.2003)
... Dabei ist Dr. Bernhard Quentin eigentlich ein typischer Rationalist unserer Tage. Als der
jedoch in die Klauen der Hormone gerät, erleidet er auf grandiose Weise Schiffbruch.
Einfühlsam und mit leiser Ironie wird vom Autor das Psychogramm eines Mörders wider Willen
gezeichnet, das einen so schnell nicht wieder loslässt. Eine irre Geschichte, psychologisch
dicht und sprachlich stimmig, die der 50-j�hrige Wolfgang Burger da zu Papier gebracht hat.
(Rhein-Neckar-Zeitung, 1.8.2003)
|
|
|
|
Leseprobe
|
|
Also, die Sprechanlage, Bettina:
"Doc, ich hab' Doktor Schmerbeck auf Leitung zwei, es sei wichtig. Soll ich durchstellen?"
Frau Heldt hatte ihre gute Neuigkeit schon incorporiert, schniefte ein bisschen vor sich
hin, tupfte die Augenwinkel mit einem rosa Tüchlein, das todsicher nach Lavendel roch, und
rang um Fassung. Vermutlich würde sie ganz froh sein, wenn sie ein paar Sekunden Pause
hatte, um sich wieder zu fangen, also war die Störung tolerabel. Ich nickte ihr entschuldigend
zu, sie lächelte wehmütig-glücklich, ich machte im Stuhl eine Vierteldrehung nach links,
lehnte mich zurück, streckte die Beine von mir und ergab mich in mein Schicksal.
"Geht okay. Stellen Sie durch."
Winfried Schmerbeck, auch im Club, Apotheker, die Park-Apotheke gleich um die Ecke. Der
flotte Winni, ein lustiger Kerl, standhafter Junggeselle, leichter Hypertoniker, notorischer
Spaßvogel mit starkem Hang zu schmutzigen Witzen und, obwohl er mit seinen roten Haaren und
seinen Sommersprossen gar nicht danach aussieht, mit einer für mich immer wieder verblüffenden
Wirkung auf Frauen. Daneben ist er Golfspieler mit ordentlichem Handycap und Sportwagenfahrer.
Irgend so ein italienischer Nobelhobel, von dem ich nicht einmal genau weiß, wie man den
Markennamen schreibt. Winni stammt aus anderen Verhältnissen als ich, hatte schon als Kind
Geld, und immer mehr als genug. Einer von den Typen, die als Student im Porsche und mit
Samsonite-Köfferchen eine Viertelstunde zu spät zu jeder Vorlesung kommen. Dabei ist er
keineswegs überheblich, immer freundlich, immer lustig, immer bereit, einem zuzuhören.
Das prägt den Charakter, wenn man nie wirklich kämpfen musste, wenn man schon immer auf der
Sonnenseite gelebt hat, wenn man sein Selbstbewusstsein nicht erstreiten musste, sondern
nebenbei beim Spielen im Laufställchen gefunden hat. Anja mag ihn ganz gern, ich weniger.
Sie findet ihn temperamentvoll, unterhaltsam und charmant, ich finde ihn laut und oberflächlich.
Aber wahrscheinlich bin ich nur eifersüchtig auf seinen nervtötenden Erfolg beim anderen
Geschlecht.
Und ich kann Leute nicht ausstehen, die immer gute Laune und für alles Verständnis haben.
"Bernhard? Du, entschuldige tausendmal die Störung. Ich habe hier 'ne Frau im Laden stehen,
eine Ausländerin. Sie will ein Medikament, das es bei uns nicht gibt. Und sie kann kaum
Deutsch. Jemand muss sie sich ansehen und was Passendes verschreiben. Kannst du sie
zwischendurch reinnehmen und mal kurz durchchecken?"
So was kommt hin und wieder vor. Manche Leute gehen nicht zum Arzt, sondern gleich in die
Apotheke, um sich ihr Mittelchen auf eigene Verantwortung zu kaufen. Zu den Aufgaben des
Apothekers gehört es, da in kritischen Fällen einzuschreiten und sie zum Arzt zu schicken.
Das ist richtig so, das muss man unterstützen. Und außerdem - ich fühlte mich gerade so
gut. Also, warum nicht.
"Lässt sich machen. Schick sie mir rüber."
"Prima, dank' dir. Und, wie geht's sonst, was machen die Geschäfte?"
"Kann nicht klagen."
"Und die werte Frau Gemahlin?"
Ich hasse Leute, die immerzu meinen, reden zu müssen, wo schon alles gesagt ist.
"Gut, soweit ich weiß. Man sieht sich ja nicht mehr so oft."
"Ja, ja, die böse Arbeit, nicht wahr?" Er lachte schon wieder. "Na, trag's mit Fassung.
Es soll vereinzelt Menschen geben, denen es noch dreckiger geht als dir und mir, auch
wenn man es nicht für möglich halten sollte. Und in ganz bösen Momenten: Denk an das kleine
freundliche Konto in der Schweiz, das hilft oft über das Schlimmste hinweg! Grüße Anja von mir,
falls du sie doch irgendwann doch mal triffst."
"Werd versuchen, dran zu denken."
"So was lässt man sich von seiner Sekretärin in den Kalender eintragen!"
"Wenn du meinst ..."
Warum hört er nicht auf damit? Muss ich noch einsilbiger werden?
"Also, ich mach das jedenfalls so. Geburtstage und solchen Kram, dafür ist meine Mareike
zuständig. Die besorgt mir sogar die Geschenke, wenn ich will. Ungemein praktisch, solltest
du auch mal überlegen. So, genug gequasselt ..."
Hurra! Er hat's begriffen!
"... Ich schick sie dir rüber, guck sie dir an. Sie ist es übrigens wert, das Angucken,
glaub mir!" Die übliche dreckige Lache.
Ich hatte schon nicht mehr richtig zugehört.
"Wer, Anja?"
Und wieder lachte er.
"Klar, die natürlich auch, aber in diesem Fall meinte ich diese Ausländerin hier. Griechin
ist sie, glaub ich."
"So, na da bin ich aber gespannt."
Gelogen: Ich war kein bisschen gespannt. Er ging mir auf die Nerven mit seinem Smalltalk-
Geblödel. Er fing schon wieder an, vermutlich weil ihm im letzten Moment noch einer seiner
halbseidenen Herrenwitze eingefallen war, aber jetzt war genug. Ich würgte ihn ab.
"Entschuldige, Winni, ich hab gerade eine Patientin."
Mein erster Fehler: Ich habe die Griechin kommen lassen, obwohl sie keinen Termin hatte und
das Wartezimmer voll war. Ich hatte einfach zu gute Laune, wegen dieser Frau Heldt vermutlich.
Hätte Frau Heldt Magenkrebs gehabt, dann würde Katharina noch leben, und ich säße jetzt zu
Hause, neben meiner fernsehenden Anja, würde ein Buch lesen oder mich wieder einmal vor
Langeweile besaufen. Nein, vermutlich würde ich längst schlafen.
Ich hatte also zugesagt und wusste noch nicht, dass ich in diesem Augenblick in eine
Achterbahn gestiegen war. In tiefer Nacht in eine unbeleuchtete Achterbahn ganz für mich
alleine, auf einem stockdunklen, tödlich lautlosen Rummelplatz. Es gab einen
unmerklichen Ruck und die Fahrt begann.
Ich informierte Bettina, und schon zehn Minuten später war sie da. Sie kam herein,
hoch gewachsen und, wie schon gesagt, auf eine unbeschreibliche Weise schön und auch wieder
nicht. Sie hatte etwas Strenges, Abgezirkeltes in ihren Bewegungen, eine aufrechte, stolze
Haltung, wie eine Tänzerin vielleicht, oder eben eine griechische Göttin. Sie war Mitte
zwanzig und verfügte, soweit ich sehen konnte, über einen Corpus vom Allerfeinsten. Nicht
übertrieben schlank, aber auch nicht zu üppig, alles gerade so, wie es meiner Meinung nach
sein sollte. Auch der Fortbewegungsapparat war, soweit erkennbar, keinesfalls zu verachten.
Sie trug eine kurzärmlige bunte Blümchenbluse und einen schlichten, gerade geschnittenen
Rock, der über den Hüften etwas spannte und die wohlgeformten Oberschenkel zur Hälfte
bedeckte, an den Füßen flache Sandaletten, die nur aus Sohlen und schwarzen Lederriemchen
bestanden. Keine Strümpfe, bei der Hitze.
Alles in allem also ein erfreulicher Anblick, Winni hatte schon Recht gehabt, sie war das
Angucken Wert. Den Blick hielt sie gesenkt, während sie auf mich zukam, geschritten kam.
Bettina hatte das Kärtchen schon durchgezogen, und so flimmerte das wenige, was ich die
nächsten vierundzwanzig Stunden über Katharina wissen sollte, auf meinem Bildschirm.
Name: Penelope Karathanos, Nationalität: Griechisch, Beruf: Studentin, Vorerkrankungen:
nicht bekannt, Versichert: Privat. Privat ist gut.
Ich erhob mich andeutungsweise und drückte ihr, wie es sich gehört, die Hand. Ihr Händedruck
war unmerklich leicht. Die Hand schlank und warm, vollkommen trocken.
"Nun, Frau ... Kara-thanos, was kann ich für Sie tun?"
Sie blickte auf und sah mir ins Gesicht mit ihren großen braunen Augen. Da sie stand während
ich schon wieder saß, sah sie auf mich herab. Ihr Gesicht war eine Spur zu breit, die Augen
standen weit auseinander und sie hatte ein leicht fliehendes Kinn unter dem zu großen Mund.
Und ihr Blick, dieser verdammte Blick, hatte etwas von aufgeblendeten Autoscheinwerfern.
Man kann nicht wegsehen, wenn man einmal hineingesehen hat und wenn man die Augen endlich
in eine andere Richtung gezwungen hat, dann sieht man dennoch nichts anderes. Plötzlich
fühlte ich mich durchsichtig, so als ob sie Dinge von mir wüsste, die sonst niemand
weiß,
nicht einmal ich selbst.
|
|
|