Wolfgang Burger
Heidelberger Requiem
Der n�chste Roman von Wolfgang Burger erscheint im Dezember 2004 im renommierten Piper Verlag. Er trug zun�chst den Arbeitstitel "Der Heilige". Die Anf�nge und ersten �berlegungen reichen bis ins Jahr 2002 zur�ck. Das Buch ist der erste Band einer neuen Reihe von Heidelberg-Krimis um Kriminalrat Alexander Gerlach, den Chef der Heidelberger Kripo.
272 Seiten kartoniert, 8,90 Euro, ISBN 3-492-24217-0
Die Chronik der Entstehung:

Sommer 2002: Erste �berlegungen zum Stammpersonal einer neuen Reihe. Wie muss der Kommissar sein? Soll es �berhaupt wieder ein Kommissar sein? Wo soll die Reihe spielen? Welche Erz�hlperspektive soll es sein? Gespr�che mit Freunden, mit dem Agenten, mit Lesern und Leserinnen. Ergebnis: Der Protagonist der neuen Reihe wird nicht wie �blich eine mehr oder weniger gescheiterte Existens sein. Er ist im Gegenteil Kripochef, hat neben dem Stress der Arbeit auch noch mit aufm�pfigen Untergebenen und nervigen Vorgesetzten zu k�mpfen, und eigentlich hasst er nichts mehr als Schreibtischarbeit. Und eigentlich wollte er �berhaupt nicht Kripochef werden ...

Bis Ende Oktober 2002: Das Stammpersonal ist soweit entwickelt. Neben Kriminalrat Alexander Gerlach, der inzwischen alleinerziehender Vater zweier pubertierender und keineswegs auf den Mund gefallener T�chter ist, werden die ebenso attraktive wie spr�de Klara Vangelis und der Liebesabenteuern nie abgeneigte Sven Balke die Heidelberger Polizeidirektion bev�lkern.

Januar 2003: Eine erste Leseprobe von ca. 80 Seiten wird geschrieben und an einige Testleser und den Agenten verteilt. Die Reaktionen sind ermutigend. Das Ding schreibt sich wie Limonade. Das k�nnte tats�chlich was werden ...

April: Expos�, Leseprobe etc. gehen an den Agenten. Die Spannung steigt.

Mai: Der erste Verlag sagt ab.

Juni 2003: der zweite Verlag sagt ab.

Ende August: Zur�ck aus dem Urlaub finde ich eine Mail vom Agenten: Piper hat gro�es Interesse! Das ist wirklich mal eine tolle Nachricht. Das ist eine Flasche Sekt wert.

Oktober: Kennenlernen auf der Buchmesse am Piper-Stand, man wird sich rasch handelseinig. Der Vertrag wird demn�chst kommen. Ab jetzt wird geschrieben. Abgabetermin ist Juni 2004, geplanter Erscheinungstermin Oktober.

November, Dezember, Januar: Der Vertrag kommt, der Vorschuss wird p�ntklich bezahlt, das Ding schreibt sich wirklich wie Limonade. Es l�uft wie geschmiert. Weit vor der Zeit ist schon im Februar die erste Version fertig.

Mai 2004: Letzte �nderungen nachdem wieder einige Testleser gequ�lt wurden. Das Manuskript geht ins Lektorat.

Juli:Das Manuskript kommt zur�ck, wieder gibt es einige �nderungen, aber es ist nicht viel. Nach zwei Wochen ist es �berstanden. Der ERscheinungstermin ist inzwischen der 20. Dezember. Das ist gut, denn noch vor Weihnachten.

20. Dezember 2004: Ab heute ist in den Buchl�den. Jetzt wird es sich zeigen, ob alle �berlegungen und Planungen richtig waren, ob die viele, viele Arbeit sich gelohnt hat.


Die Geschichte: Patrick Grotheer, der Sohn eines weltber�hmten Heidelberger Chirurgen wird auf grausame Weise ermordet. Kriminalrat Gerlach, frischgebackener Chef der Heidelberger Kripo, findet rasch heraus, dass der Tote sein flottes Studentenleben durch die Herstellung synthetischer Drogen aufgebessert hat. Ein Kleindealer war nachweislich zum Zeitpunkt der Tat in der N�he, die Sache scheint klar. Aber dann ereignet sich ein weiterer Mord, und die Situation eskaliert. Schlie�lich wird sogar Gerlach selbst zum Betroffenen der dramatischen Ereignisse.
Pressestimmen
... wird leider noch ein wenig dauern.
Lesermeinungen
... auch hier ist noch ein wenig Geduld angesagt.

Leseprobe

Am ersten September, einem Montag, begann mein Dienst. Ohne zu fr�hst�cken, fuhr ich morgens um sieben in Karlsruhe los, um nicht gleich am ersten Tag zu sp�t zu kommen. Meinen T�chtern hatte ich ihr Nutella und Toastbrot bereitgestellt, damit sie sich nicht zu einsam f�hlten, wenn sie gegen Mittag aufstehen w�rden. Die Schule begann erst n�chsten Montag wieder, und die M�dchen w�rden den Tag vermutlich wie �blich an irgendeinem Baggersee verbringen, zusammen mit Leuten, die ich nicht kannte und vielleicht auch nicht kennen sollte. Einen Bullen zum Vater zu haben, galt in gewissen Kreisen als krass uncool. Zuletzt hatte ich noch einen Zehn-Euro-Schein unter das Nutella-Glas geklemmt, damit sie sich etwas zu Essen kaufen konnten. Ich hoffte, dass er nicht nur gegen Big-Macs und Cola eingetauscht wurde.

In dem f�r meinen Geschmack ungem�tlich gro�en B�ro f�hlte ich mich schon nach wenigen Minuten einsam. Bis halb neun r�umte ich ohne viel Sinn in meinem altmodischen und muffig riechenden Schreibtisch herum, stellte ein paar mitgebrachte B�cher in den dunkelbraunen, noch altmodischeren B�cherschrank mit gruselig knarrenden T�ren und versuchte herauszufinden, ob es hier eher nach Bohnerwachs oder M�belpolitur roch. Alles in allem hatte ich nun zweiundzwanzig Beamte unter mir, darunter vier Frauen. Ich w�rde eine Weile brauchen, um mir die Namen zu merken. Eine der Frauen war meine Sekret�rin, Sonja Walldorf. Sie war schon vor mir am Platz gewesen, trug ein sommerliches Blumenkleid und schien merkw�rdigerweise noch aufgeregter zu sein als ich. Meine Frage, ob es wohl eine Chance gebe, diese scheu�lichen Antiquit�ten gegen etwas Moderneres auszutauschen, brachte sie in Verlegenheit, da sie keine Antwort wusste. Offenbar war sie gewohnt, auf alles eine Antwort zu wissen. Ich beschloss, bei n�chster Gelegenheit mit Liebekind �ber das Thema M�bel zu sprechen. In diesem Museum wollte ich auf keinen Fall hausen. Mein n�chstes Problem war der Kaffee. Die ganze Polizeidirektion duftete inzwischen nach frischem Kaffee, aber ich traute mich nicht, Frau Walldorf danach zu fragen, aus Angst, sie k�nnte beleidigt sein. Sie war ja die erste Sekret�rin meines Lebens, und ich hatte geh�rt, manche von ihrer Sorte k�nnten t�dlich beleidigt sein, wenn man ihnen solch niedere Dienste zumutete. Andererseits hatte ich keinen Schimmer, wo sich die Quelle befand, die diesen verflixten Duft verbreitete. Erst, als sie mich verlegen-best�rzt fragte, ob ich denn gar keinen Kaffee w�nschte, kam heraus, dass mein Vorg�nger darauf bestanden hatte, t�glich Punkt halb neun ein dampfendes K�nnchen zusammen mit zwei frischen Croissants auf dem Schreibtisch zu haben. Wir kamen �berein, dass man mit guten alten Gewohnheiten nicht ohne zwingenden Grund brechen soll.

Die Croissants waren vom B�cker an der Ecke und schmeckten vorz�glich. Der Arabica-Kaffee war frisch gebr�ht, eigens f�r mich, wie sie betonte. Wir sa�en noch zehn Minuten zusammen, und sie gab mir einen ersten �berblick �ber die aktuellen Themen der Ger�chtek�che. Drau�en schien die Sonne, durch die offenen Fenster drang Vogelgezwitscher und eine angenehm k�hle Luft herein, die nach Sommer und Ferien roch. Ich f�hlte mich wohl.

Schlie�lich war es neun, der Kaffee zu Ende, und ich bat meine Sekret�rin, mich auf meiner Begr��ungsrunde bei der Truppe zu begleiten. Die Kripo belegte fast das komplette erste Obergeschoss des weitl�ufigen Geb�udes. Ich klopfte energisch an die erste T�r und trat ein. Irgendwo hatte ich geh�rt, man solle als Vorgesetzter nicht auf ein "herein" warten. Ein entschlossener Auftritt schafft Respekt. Drau�en hatte ich zwei Namen gelesen: Erste KHK K. Vangelis und KOK S. Balke. Die beiden sprangen auf, als ich eintrat. Balke deutlich schneller als seine Kollegin. Ich ging auf die Frau zu, um ihr die Hand zu sch�tteln. Ihr Blick war k�hl, um nicht zu sagen abweisend. Liebekind hatte mir im Vertrauen mitgeteilt, sie habe zu meinen engsten Konkurrentinnen gez�hlt, und Frau Walldorf hatte mich mit bedeutenden Blicken darauf vorbereitet, dass die Erste Kriminalhauptkommissarin Klara Vangelis leider oft gar kein umg�nglicher Mensch sei.

F�r ihren Dienstgrad war die Frau �berraschend jung. Sie musste �u�erst ehrgeizig sein. Sehr z�gernd hob sie die Hand, und es war offensichtlich, dass sie absolut nichts dagegen gehabt h�tte, wenn mich genau jetzt und vor ihren gro�en dunklen Augen der Teufel geholt h�tte. Zu ihrer sichtlichen Erleichterung klingelte das Telefon. Sie wandte sich ab und lie� mich mit ausgestreckter Hand stehen, obwohl auch Balke das Gespr�ch h�tte annehmen k�nnen. W�hrend sie telefonierte, hatte ich Gelegenheit, sie zu betrachten. W�re sie einige Zentimeter gr��er gewesen, sie h�tte als Model arbeiten k�nnen. �ppiges schwarz gl�nzendes Haar, eine Figur wie aus einem Modekatalog ausgeschnitten und dazu eine helle Bluse und ein dunkles Kost�m, dem sogar ich ansah, dass es dem Gehalt einer Kripobeamtin in keiner Weise angemessen war.

Das Gespr�ch dauerte nur wenige Sekunden. Mit unbewegter Miene machte sie sich Notizen und legte auf mit der Bemerkung: "Okay. Zehn Minuten."

Sie riss das Blatt vom Block und warf Balke einen Blick zu. "Mord im Emmertsgrund drau�en."